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urban-listening

Kapitel eins

Der Soundtrack einer Achterbahn

Am 12. Juni 1997 eröffnet der Europa-Park in Rust die Achterbahn Euro-Mir. Die Musik dazu kommt von zwei Freiburgern in den Zwanzigern: Christian Steiger als Hell Bopp und Ben Klug als Nick Sputt. Von ihnen stammt Lift Off!, der Titel, der die Bahn trägt und der Hit des Projekts, und von ihnen stammen sieben der zehn Titel des Albums. Die übrigen drei kommen von Christian Schnitzer als Moono und Achim Schnitzer als Dark Fader. Aufgenommen wurde in den Calren Studios in March bei Freiburg.

Lift Off! anhören

75 Sekunden, geschnitten aus der Originalaufnahme, 192 kbit/s in Stereo. Die Aufnahme in voller Länge steht beim Album.

Im Eingangsbereich der Attraktion steht bis heute ein echtes Trainingsmodul der sowjetischen Raumstation Mir, kein Nachbau. Bei der Eröffnung waren die Kosmonauten Alexandre Viktorenko, Juri Malentschenko und Alexandre Serebrov dabei. Alle drei hatten in genau diesem Modul für ihre Mir-Missionen trainiert.

Fahrten im Europa-Park

Belegt

Wie oft die Musik gelaufen ist, lässt sich an einer Zahl ablesen: allein zwischen dem Eröffnungstag und dem Saisonende Anfang November 1997 fuhren rund 1,5 Millionen Gäste mit der Euro-Mir. Bei jeder Fahrt läuft Lift Off! Danach kamen neunundzwanzig weitere Saisons.

Abgeleitet, Annahmen im Satz genannt

Der Park zählte im November 2025 seinen 150-millionsten Gast seit 1975. Auf die Zeit ab Mitte 1997 entfallen davon etwa 119 Millionen. Rechnet man mit zwei Dritteln der Besucher in den ersten Jahren und einem Viertel in den letzten, kommt man auf rund 40 Millionen Fahrten in dreißig Saisons. Die Bahn schafft 1600 Personen in der Stunde, damit ginge sogar mehr.

Belegte Nutzungen

Belegt, aus den GEMA-Aufstellungen

Was die Abrechnungen zeigen. Seit 2017 zählt die GEMA 47.958.669 Abrufe in 56 Ländern, dazu 693 Sendungen im Radio und 164 im Fernsehen. Abgerechnet wird über TikTok, Instagram und Facebook, Spotify, YouTube, Netflix, Apple.

Auf Lift Off! allein entfallen 46.320.890 davon. Im Fernsehen lief die Musik unter anderem in Eine wie keine, Punkt 8, Schrott oder Schätzchen, Takeover, voll vertauscht.

Auch im Kino. Lift Off! läuft in der Komödie Takeover, voll vertauscht, gedreht 2019 im Europa-Park, im Kino ab dem 2. Juli 2020. Die GEMA führt dazu eine Abrechnung in der Sparte Kino und Tonfilm und die Fernsehausstrahlungen des Films.

Was fehlt. Gezählt wird erst, seit es Streaming gibt. Die ersten zwanzig Jahre stecken nicht in dieser Zahl, und das waren die Jahre mit dem Radio, den Maxi-Singles und den Samplern.

Quelle sind 146 Einzelaufstellungen aus dem GEMA-Portal. Beträge stehen hier nicht.

Geschätzte Gesamtreichweite

Schätzung von Christian Steiger, keine Abrechnung

Christian Steiger schätzt sie über alle Kanäle zusammen auf weit über 100 Millionen Abspielungen: alle Streamingdienste, YouTube, Social Media, Radio und Fernsehen, dazu die Fahrten im Park selbst.

Die ersten zwanzig Jahre fehlen in allen diesen Zahlen.

Cover von Project Euro MIR, 1997

12. Juni 1997

Sieben von zehn Titeln auf diesem Album stammen von zwei Freiburgern in den Zwanzigern.

Bahn
Euro-Mir, Europa-Park Rust
Eröffnet
12. Juni 1997
Abschiedsevent
9. Januar 2027, nach dreißig Saisons
Die Musik
bleibt, bestätigt am 12. Juni 2026

Was gerade passiertDer SprechtextDas Musikvideo

Interpret
Project Euro MIR
Titel
Project Euro MIR
Label
Calren Records
Katalognummer
17 3631-2
Label-Code
LC 8401
Verlag
Edition Calren Music
Erschienen
1997
Laufzeit
55:18
Presswerk
Dureco France
Matrix
DURECO FR 3631-2
Mastering SID
IFPI L373

Zehn Titel, und wer sie gemacht hat

Die Zuordnung stammt aus dem Sternchen-System im Booklet. Discogs führt die fünf Produzenten nur pauschal, ohne Tracknummern.

  1. 01PrologueNick Sputt & Hell Bopp3:14
  2. 02Liftoff!Nick Sputt & Hell Bopp6:27
  3. 03Space CorridorMoono6:09
  4. 04Stratos FearNick Sputt & Hell Bopp5:16
  5. 05PianodyseeNick Sputt & Hell Bopp6:41
  6. 06The Dark SideDark Fader5:06
  7. 07Lunar EclipseNick Sputt & Hell Bopp7:25
  8. 08Endless HeavenDark Fader5:06
  9. 09Launching Pad (Liftoff! Remix)Nick Sputt & Hell Bopp6:11
  10. 10Liftoff! (Radio Mix)Nick Sputt & Hell Bopp3:43

Hinter den Decknamen: Hell Bopp ist Christian Steiger, Nick Sputt ist Ben Klug, Moono ist Christian Schnitzer, Dark Fader ist Achim Schnitzer, der auf Chronology zwei Jahre später als Stark Fader steht. DJ R.T.EL. ist Thorsten Leucht.

Wie es damals hier stand

april 1998 hatten wir eine vö auf metrovinyl EAMS mit dem projekt "projekt euromir". an dem projekt arbeiten fünf leute. ben klug (nick sputt), christian steiger (hell bopp), thorsten leucht (r.t.el), christian schnitzer (moono) and achim schnitzer (stark fader). geschrieben und produziert haben wir die titel unter den pseudonymen hell bopp (christian steiger) and nick sputt (ben klug). den "andrej romanow remix" produzierten wir mit ihm zusammen.

Der Sprechtext aus dem Prologue

Der erste Titel des Albums ist die russische Erzählstimme aus der Attraktion. Den Text haben Christian Steiger und Ben Klug 1997 geschrieben. Er steht auf einer eigenen Seite, vollständig, mit Zeitmarken, und daneben die vier Stellen, an denen die im Netz kursierende Fan-Abschrift daneben liegt.

Zum Sprechtext

Drei Veröffentlichungen aus einem Projekt

Die Maxi Lift Off! und das Album tragen die Geschichte. Chronology von 1999 gehört dazu, ist aber ein anderer Auftrag: der Soundtrack einer Lasershow, nicht der Bahn.

Womit es gemacht wurde

Die Flächen und Bässe kommen von einem Roland Juno-106. Die Linien der TB-303 stammen nicht aus dem Gerät, sondern aus einer Software-Nachbildung. Sequenzer war Emagic Logic, die Samples lieferte eine Digidesign SampleCell im Rechner, die Abmischung lief analog in den Calren Studios. Eine Waldorf Microwave lieferte im Prologue den brechenden Klang, der genau dort zusammenbricht, wo die hymnenartigen Flächen einsetzen. Aufgenommen wurde in den Calren Studios auf eine 24-Spur-Bandmaschine, zusätzlich digital auf DAT. Angaben von Christian Steiger, für Juno-106 und TB-303 auch im Wikipedia-Artikel zur Bahn genannt.

Wie die Musik in die Bahn kam

Die Musik läuft nicht als ein Stück. Sie wird in Sequenzen zerlegt und einzeln in EPROMs geladen, Speicherbausteine entlang der Strecke, dort, wo der Zug die Spirale im Turm hochfährt. CD-Spieler gibt es 1997, im Dauerlauf einer Achterbahn hätte man sie aber ständig tauschen müssen. Angabe von Christian Steiger.

Eine Fassung von anderer Hand

Project Euro Mir, Damon Paul, 2013. Ein Remix des Soundtracks, das Video wurde auf der Bahn gedreht. Die Veröffentlichung trägt den Projektnamen des Originals.

Die Bahn und die Musik im Kino

Im Mai und Juni 2019 dreht Pantaleon Films mit Mack Media im Europa-Park die Komödie Takeover, voll vertauscht, Regie Florian Ross. Der Film kommt am 2. Juli 2020 in die Kinos, verschoben vom April. Lift Off! läuft darin, und die GEMA rechnet den Titel sowohl für das Kino als auch für die Fernsehausstrahlungen ab.

Was gerade passiert

Euro-Mir schließt. Der Europa-Park nennt die Wintersaison 2026/2027 als die letzte der Bahn. Das Abschiedsevent ist am 9. Januar 2027, danach wird abgebaut, 2028 kommt ein neuer Themenbereich mit einer Familienachterbahn von Mack Rides. Nach dreißig Saisons.

Im Frühjahr 2026 hat ein Instagram-Reel eine Fan-Welle ausgelöst, mit einer Petition und über zwanzig Zeitungsartikeln, alle mit derselben Frage: Bleibt der Song? Am 12. Juni 2026 hat der Park bestätigt, dass die Melodie bleibt.

Der erste Artikel, 1998

Badische Zeitung, 7. Mai 1998, von Jürgen Schickinger. Der älteste bekannte Bericht, aus dem eigenen Archiv, nicht online. Er ist die einzige zeitgenössische Quelle dazu, was die Platte damals ausgelöst hat.

  • Ein fünfköpfiges Team. DJs, Komponisten und Produzenten aus dem Freiburger Raum, im Umfeld der Calren Studios in March-Hugstetten. Der Artikel nennt Hell Bop, Stark Fader, Nick Sput, Moono und DJ R.T.EL.
  • 5000 CDs in wenigen Wochen. So viele Exemplare gingen laut dem Bericht über die Theke, nachdem Besucher nach der Musik gefragt hatten.
  • 16.000 Menschen täglich. So viele standen in der Saison zuvor teils stundenlang vor der Bahn an. „Da hören sie gezwungenermaßen die Musik“, wird DJ R.T.EL. zitiert.
  • Über 40 Plätze in drei Wochen. So weit kletterte das Stück nach oben, zusammen mit einer halbstündigen Live-Performance.
  • Das Video. Ein betagtes Paar steigt in die Bahn, das Tempo wird hochgefahren, und aus der Kabine springen zwei verjüngte Menschen. Das ist der Clip, der auf dieser Seite steht.
  • Der Anspruch. Achim Schnitzer vom Calren-Studio im Zitat: „Wir konnten zum ersten Mal experimentelle, elektronische Musik mit Dancefloor und Pop verknüpfen.“
  • Und die Einordnung. Ein Beteiligter nennt den Stil Hard Trance. Was das sei? „Eine Hausfrau würde dazu Techno sagen.“
Zeitungsausschnitt, erste spalteZeitungsausschnitt, zweite spalte
Der Ausschnitt in zwei Spalten. Badische Zeitung vom 7. Mai 1998, Autor Jürgen Schickinger. Ein Klick öffnet die Spalte größer.

Ein zweiter Bericht, Februar 1998

„E.O.E. Extension Of Eternity auf Erfolgskurs“, Stadtmagazin, aus dem eigenen Archiv, nicht online. Der Bericht nennt die Verträge, die Bestellnummer und die sieben eigenen Titel der Euro-MIR-CD beim Namen.

  • Seit 1993. Zwei Studenten der Digitalen Medientechnik aus Freiburg produzieren Techno, House und Dancefloortracks. Der Artikel nennt Hell Bopp für Christian Steiger und Nick Sputt für Ben Klug.
  • Juli 1997. Der erste Bandübernahmevertrag, mit Drizzly Records aus Oberursel bei Frankfurt am Main.
  • 14. Oktober 1997. „We’re Coming“ erscheint auf Vinyl und CD über den Vertrieb d’Mania Distribution, Bestellnummer DMD DRIZ 9713/21 CD.
  • Zehn Titel, 50 Minuten. So beschreibt der Artikel die CD Project Euro MIR zur neuen Attraktion im Europa-Park.
  • Sieben von zehn Titeln. Unter Hell Bopp und Nick Sputt entstehen laut Artikel Prologue, Lift Off!, Pianoodysee, Lunar Eclipse, Stratos Fear, Launching Pad und die Single Version von Lift Off!.
  • März 1998. Der Bandübernahmevertrag mit EAMS für Lift Off!, ab diesem Monat im Handel.
Zeitschriftenseite über E.O.E. Extension Of Eternity
Die Seite aus dem eigenen Archiv. Ein Klick öffnet sie größer.

Presse

Über zwanzig Artikel, gesammelt und geprüft. Jede Adresse einzeln aufgerufen. Sortiert danach, was drinsteht.

Der Song im Netz

Die Welle ist nicht in Zeitungen entstanden, sondern in kurzen Videos. Der Song läuft auf Instagram und TikTok als Sound unter fremden Clips, meist ohne dass jemand weiß, von wem er ist.

Wie oft der Song dort als Sound läuft, veröffentlichen die Plattformen selbst nicht, und derselbe Titel liegt bei ihnen mehrfach als eigener Sound. Abgerechnet wird er trotzdem: TikTok und Meta gehören zu den größten Lizenznehmern in den GEMA-Aufstellungen, die Zahlen stehen weiter oben unter Belegte Nutzungen.